Was, bitte schön, ist "Facilitation"?

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Photo: Clint Adair

Die Übersetzung des englischen Verbs "to facilitate" lautet zunächst einmal ganz simpel "erleichtern", "ermöglichen", "unterstützen" und "fördern" (Quelle: www.leo.org). Als Methode dient Facilitation dazu, eine Gruppe von Menschen darin zu unterstützen, innerhalb eines Veränderungsprozesses, eines Workshops, eines Vorhabens oder eines Meetings die von ihnen angestrebten Ziele selbstgesteuert zu erreichen.

 

Oft wird Facilitation fälschlich mit Großgruppenmoderation gleichgesetzt.

Bei der Facilitation werden i.d.T. Gruppen moderiert. Was Facilitation allerdings von herkömmlicher Moderation unterscheidet, ist die Ausrichtung von Prozess, Rahmenbedingungen und Methoden darauf, die Menschen ins konkrete, gemeinschaftliche Tun und den Austausch zu bringen und so ihre Kräfte, Kreativität, Energien etc. konstruktiv freizusetzen. Durch die gegenseitige Inspiration entsteht dabei eine "kollektive Weisheit" oder "kollektive Intelligenz", die Ergebnisse ermöglicht, auf die Einzelne - und seien sie auch noch so schlau - nicht hätten kommen können. Facilitation nutzt also gezielt Gruppendynamik, leitet sie in konstruktive Bahnen und bewirkt damit effektive wie effiziente Ergebnisse - nachhaltig.

Referenz: Ich wollte das Rad nicht neu erfinden: Der folgende Text lehnt sich daher an eine umfassende Darstellung an, die ich auf der Webseite der Firma agonda fand.

Die Rolle des Facilitators

Die Aufgabe und Kunst des Facilitators besteht darin, geeignete methodische, räumliche und zeitliche Strukturen zu entwickeln und die Gruppe durch den Prozess zu geleiten. Er schafft damit einen sicheren Rahmen für alle Teilnehmenden und ermöglicht ihnen, sich in bester Weise in die Arbeit einzubringen, alle relevanten Themen und Anliegen anzusprechen, zueinander in Verbindung zu setzen und so Lösungen zu entwickeln, die auch komplexe Gemengelagen angemessen adressieren.

Der Facilitator verhält sich inhaltlich vollkommen neutral und gegenüber den Beteiligten allparteilich. Eine positive und empathische Grundhaltung, die ein Gespür für die Atmosphäre im Raum ermöglicht, allen und allem gegenüber ist neben der methodischen Kompetenz die wichtigste Fähigkeit eines Facilitator.

Die besondere Wirkung von Facilitation

Facilitation bewirkt oft verblüffende, unerwartete und nicht für möglich gehaltene Ergebnisse. Dies basiert auf und mündet zugleich in einer neuen Qualität der Zusammenarbeit, die sich durch die Methoden und den Prozess ergeben.

Kooperation und Verständnis

Menschen sind grundsätzlich bereit zu kooperieren, wenn sie ihre Sichtweisen und Anliegen einbringen können und das Gefühl erhalten, gehört und berücksichtigt zu werden. Gegenseitiges Verständnis entsteht - was nicht gleichzusetzen ist mit automatischer Zustimmung. Es bildet sich eine gemeinsame Grundlage, auch für die Überwindung von Interessenkonflikten. Und das über Stakeholder-, Abteilungs- und Hierarchiegrenzen und kulturelle Unterschiede hinweg. Und damit offenbaren sich oft verbindende Gemeinsamkeiten und neue Einsichten, die den Weg zu Lösungen weisen, die vorher nicht gesehen oder übersehen wurden.

Mitwirkung und Verantwortung

Mit der gleichberechtigten Mitwirkung aller Beteiligten auf Augenhöhe bildet sich die Bereitschaft, Verantwortung für die Gemeinschaft wie auch die erarbeiteten Ergebnisse zu übernehmen.

Ergebnisse und Aktivierung

Die facilitativen Methoden mit klarem Rahmen bewirken eine Öffnung der Beteiligten. Es wird nicht nur geredet, sondern gemeinsam werden konkrete und direkt umsetzbare Lösungen, erste Schritte und andere Ergebnisse erarbeitet. Das Erleben der konstruktiven Gruppendynamik aktiviert die Teilnehmer und erzeugt eine inspirierende Atmosphäre des Gelingens. Und neben dem Reden und rationellen Argumenten wird auch bewusst an passenden Stellen Raum für Emotionen und Intuitionen gegeben.

Kulturwandel

Durch das Erleben einer ganz anderen Art, miteinander zu reden und zu arbeiten, verändert sich auch die Kultur der Zusammenarbeit über den aktuellen Prozess hinaus. Arbeits- und Gesprächsformen werden in den Alltag übernommen und verändern nachhaltig den Umgang miteinander, die Arbeitsatmosphäre und die Kommunikation. Und damit womöglich auch die Arbeitskultur in der übergeordneten Organisation.


Facilitative Methoden

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Photo: Jeremy Cai

Die bekanntesten Formate (auch "Settings" oder "Ablaufkonzepte" genannt), in denen facilitatives Arbeiten zum Einsatz kommen kann, sind die folgenden:

  • Open Space / BarCamp
  • World Cafe
  • Zukunftskonferenz
  • Appreciative Inquiry
  • Dynamic Facilitation
  • Real Time Strategic Change-Konferenz
  • Wisdom Council

Die Darstellung dieser und weiterer Formate soll allerdings an anderer Stelle erfolgen, um den Rahmen und die Zwecksetzung dieses Artikels nicht zu sprengen..

 

Es sei abschließend auch davor gewarnt, dass oft Veranstaltungen nach einer der o.g. Methoden benannt werden (z.B. erfreuen sich "BarCamps" aktuell großer Beliebtheit), aber dass oft deren Inhalt und Ablauf nicht der Verpackung und einer facilitativen Vorgehensweise entspricht. Sehen Sie daher genau hin, was sich wirklich dahinter verbirgt!

Das "Geheimnis" der Facilitation

Warum Facilitation so wirkt, wie sie es tut, liegt an den Annahmen, die der Methodenauswahl und Prozessgestaltung stets zugrundeliegen:

Kollektive übertrifft individuelle Intelligenz

Jede Gruppe von Menschen trägt eine Vielfalt von Wissen, Fähigkeiten und Erfahrungen in sich. Damit eröffnen sich auch ganz neue Lösungen und Möglichkeiten, wenn man allen Parteien (und nicht nur wenigen Entscheidungsträgern, Projektbeauftragten, den Eloquentesten oder Lautesten o.ä.) eine Plattform bietet, sich einzubringen.

Veränderungen folgen einem einheitlichen Muster

Veränderungen - und nichts anderes sind auch "normale" Besprechungen, wenn sie denn dem Vorantreiben eines Themas oder einer Lösung dienen - folgen einem stets gleich ablaufenden Ablauf aus abgrenzbaren Phasen. Ein Bewusstsein für die aktuelle Phase hilft daher dem Facilitator wie auch den Beteiligten, gerade nützliche Methoden einzusetzen und Befindnisse "auszuhalten".

Durchbrüche erfolgen emergent

Vor einer Lösungsfindung bedarf es eines "Reinigungsprozesses", indem vorhandene Gedanken und Gefühle der Teilnehmer ausgedrückt und anerkannt/bezeugt werden. Gemeinsames Verständnis und damit eine Lösungsfindung erfolgen dann oft plötzlich "aus dem Nichts".

Anerkennung ermöglicht Lösungsfindung

Um in einer Gruppe gemeinsam getragene Ergebnisse zu erzielen, ist es immer zunächst erforderlich, die gesamte Vielfalt von Meinungen und Sichtweisen gleichberechtigt anzuhören und in ihrer Gültigkeit anzuerkennen. Es gilt das Prinzip: Jeder gibt sein Bestes - immer! Mit der Sicherung dieser grundlegenden Verbindung zwischen den Beteiligten ist dann eine Zusammenführung hin zu Lösungen möglich. Und was anfangs zeitraubend erscheint, wirkt nach hinten beschleunigend.